Zeugen des Krieges-Kriegsfotografie im Wandel

3Sat, 60 Min.

 

Die professionelle Kriegsfotografie hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Neue technische Möglichkeiten und die Verfügbarkeit von Informationen verändern die Arbeit der Fotograf*innen und damit die Darstellung von Krieg.

 Noch vor 50 Jahren waren Fotos aus Kriegs- und Krisengebieten etwas Besonderes, nur in Magazinen zu sehen. Heute drohen wir in einer Masse an Bildern und Informationen den Überblick zu verlieren.

Vier professionelle Kriegsfotograf*innen berichten von ihren teils lebensbedrohlichen Erfahrungen, ihren veränderten Arbeitsbedingungen und wie sie die aktuellen Entwicklungen wahrnehmen. Jay Ullal, Ursula Meissner, Sebastian Backhaus und Hosam Katan stehen für die Erfahrungen von vier Generationen von Kriegsfotografen. Von den goldenen Zeiten des Printjournalismus bis zur Berufsfindung durch Facebook stehen sie exemplarisch für den Wandel der Branche. Der Film begleitet zwei von ihnen auf einer aktuellen Reise in den Irak und den Libanon. Und zeigt ihre (künstlerischen) Arbeiten und andere Beispiele der Kriegsfotografie: Bilder, die – gestern wie heute – beeindruckend,  aber gleichzeitig schonungslos und schwer zu ertragen sind. Fotos von Opfern oder Tätern geben dem Krieg ein Gesicht. Nicht selten setzen Kriegsfotograf*innen ihr Leben aufs Spiel. Sie gehen hin, wenn andere fliehen. Ihre Arbeit ist enorm wichtig. Sie sind unsere Stellvertreter, Botschafter von Ereignissen. Ihre Bilder beeinflussen teilweise Politik und unsere Sicht auf die Dinge. Bilder wie das des nackten Mädchens im Vietnam-Krieg oder des toten syrischen Jungen am Strand brennen sich in das kollektive Gedächtnis ein.

Doch professionelle Fotograf*innen bekommen immer weniger Aufträge: Einst schickten Verleger ihre Reporter*innen und Fotografen*innen in alle Teile der Welt, um vor Ort Eindrücke und Aufnahmen zu sammeln. Heute sitzen viele schreibende Journalist*innen Zuhause und nutzen Fotos von lokalen Fotografen und von Agenturen. In einigen Fällen auch die Handyfotos zufälliger Augenzeugen, denn mittlerweile sind wir alle zu potentiellen Fotografen geworden.  Durch soziale Medien kann jeder posten, was er für wahr und richtig hält- ohne redaktionellen Filter. Besonders Fotografien bekommen dadurch noch einmal eine ganz neue Macht- der Kampf um die Hoheit des Bildes ist entbrannt wie noch nie zuvor.

Gehen damit der künstlerische Anspruch und die journalistische Neutralität verloren? Ersetzt das primäre Augenzeugen-Foto heute gewissermaßen den Blick der Fotojournalist*innen?

Die 3sat-Dokumentation erzählt, wie sich die Darstellung von Krieg über die Jahrzehnte verändert hat und was diese Änderungen für Fotografen und Betrachter bedeutet.